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Trikotgeschichten - #7 Miese Nummer mit Super Hoeneß

Oder auch Lösbare Aufgabe - Lösbare Rückennummern

Der FC Bayern empfing im Viertelfinale um den Europapokal der Landesmeister 1987 am Mittwoch den 4. März den RSC Anderlecht. Der belgische Rekordmeister war bis dahin sowas wie ein Angstgegner für den FC Bayern. Hatte man sich doch in der Vergangenheit am Königlichen Sportklub die Zähne ausgebissen. Dieses Mal jedoch sollte es anders kommen. Doch zunächst zu den Trikots. Die Bayern liefen ins Olympiastadion mit den herrlichen roten Langarmtrikots ein, die diese wunderbare Zick-Zack-Verlaufstextur zeigen. Genau das gleiche Modell trug man 1 Jahr davor (5.3.1986) ebenfalls beim Heimspiel (ebenfalls gegen Anderlecht). In der zweiten Halbzeit jedoch spielten die Münchner mit einem anderen Trikotmodell. DOCH WARUM? Bei genauem Betrachten des Videos fällt auf, dass Roland Wohlfarth zur Bank kommt und sich ein neues Trikot holt, weil sich von seinem die Nummer gelöst hat. Einige Minuten später löst sich diese aber schon wieder. Gleiches bei Dieter Hoeneß, bei dem die Nummer im Sprint herunterfällt und zu Boden segelt.


Die Rückennummern, welche mit Laserflock aufgebracht wurden, waren wohl zu kalt oder mit zu wenig Druck verpresst und begannen sich zu lösen. Auch bei Pflügler und Dorfner begannen die Nummern sich zu lösen, weshalb dann in der Halbzeit auf ein Ersatztrikot gewechselt wurde. Übrigens bleibt zu erwähnen, dass sich Dieter Hoeneß kein neues Trikot holte und ohne Rückennummer bis zur Halbzeit weiterspielte! Dürfte so auch noch nicht vorgekommen sein.

Spielbericht Auf dieses Ergebnis wagten die Münchner Bayern gar nicht zu hoffen:

Mit dem beruhigenden Polster eines 5:0-Sieges fahren sie in zwei Wochen zum Rückspiel nach Anderlecht. Wen das nicht reicht!

Vor dem Anpfiff war die Stimmung in der Bayern-Kabine nervös bis leicht gereizt: „Wir wissen, was heute für uns auf dem Spiel steht — verdammt viel“, sagte Lothar Matthäus, der wegen der vierten Gelben Karte gesperrt war und deshalb nur im Straßenanzug aus dem Tunnel erschien.

Er möbelte seine Mannen aber noch auf: "Jungs, ich habe ein gutes Gefühl — ihr schafft das.“ Matthäus sollte das öfters sagen, die Bayern begannen sehr stark. Nach drei Minuten jubelten die Fans zum ersten Mal, zu früh.

Schiedsrichter Sanchez-Arminio verweigerte dem Kopfballtreffer von Rummenigge zu Recht die Anerkenkung, weil der Ball zuvor die Torauslinie überquert hatte. Nichts zu deuteln gab es dann aber an der Szene zwölf Minuten später: Nachtweih flankte das Leder gefühlvoll von rechts in den Strafraum, genau auf den Kopf von Hoeneß. Jansen konnte zwar noch retten — nur genau vor die Füße von Rummenigge. Aus elf Metern hatte der 22jährige keine Mühe, den Ball ins Netz zu befördern.

28. Minute: Die Fans liegen sich schon wieder in den Armen, Stimmung im Olympiastadion, strah­lende Mienen auf der Bayern- Bank. Nach einer Ecke von Brehme ist wieder Hoeneß per Kopf da, einmal können die Belgier klären — an die Fußspitze von Pflügler. Das Leder trudelt über die Linie. Das vierte Europacup-Tor des Offensivverteidigers.

Zugute halten muss man Anderlecht, dass es schon früh die Ab­wehr — wenn dieses Wort gebraucht werden darf umorganisieren musste, Friman ersetzt den verletzten Swinnen, Jansen spielt jetzt Libero. Und wie — unter aller Kanone.

Teamchef Franz Beckenbauer traf den Nagel in der Halbzeitpause auf den Kopf: „Wenn ich an der Stelle von Arie Haan auf der Anderlechter Bank säße — ich hätte schon fünf Herzinfarkte erlitten. Diese Abwehr ist ja wahnsinnig schwach.“ Dettmar Cramer nickte zustimmend, lobte noch die Bayern: „Besonders Nachtweih und Brehme gefallen mir ausgezeichnet, der spielt seinen Part erstklassig.“ Die Münchner bleiben jedoch be­scheiden — aus Schaden sind sie klug geworden. Im vergangenen Jahr führten sie nach 45 Minuten auch 2:0, am Ende stand es 2:1 und sie schieden in Anderlecht aus.

Und der RSC erinnerte sie nach­drücklich an diese unglückliche Partien, wurde jetzt stärker. De Groote bringt den Ball über die Linie — Abseits. Nilis zieht aus 25 Metern ab, der Ball kracht an die Querlatte. .Udo Lattek lachte gar nicht mehr, nervös rutscht er auf der Bank hin und her. Der Trainer holt sich Dieter Hoeneß an der Seitenauslinie, was er ihm gesagt hat, bleibt sein Geheimnis. Der Sturmtank hat es auf jeden Fall verstanden: Er schießt in der 69. Minute nach einem Superpass von Rummenigge (per Hacke!) das 3:0.

Sekunden später haben die Bayern Glück, im Strafraum springt Pflügler nach einem Schuss von Nilis — dem besten Anderlechter — das Leder an den Arm. Der Schiedsrichter lässt weiterspielen.

Auf der Gegenseite setzte Hoeneß noch eins drauf: 4:0 nach einer Wohlfarth-Vorlage (80.) — und das ist noch nicht alles. Sekunden vor Schluss: Wohlfarth nach einer Hoeneß-Flanke 5:0. Die Fans sind schier aus dem Häuschen — was für ein Abend!

Das Trikotdatenblatt


Die Statistik Mi 04.03.1987, 20:00 EP Landesmeister Viertelfinale

FC Bayern ‑ RSC Anderlecht 5:0 (2:0)

16000 ZS in München, Olympiastadion

SR: Victoriano Sanchez Arminio (Spanien)

Bayern: Pfaff, Nachtweih, Eder, Pflügler, Winklhofer, Dorfner, Brehme, M. Rummenigge, Wohlfarth, D. Hoeneß, Lunde (►86. Kögl)

Tore: 1:0 M. Rummenigge (15., D. Hoeneß), 2:0 Pflügler (28., D. Hoeneß), 3:0 D. Hoeneß (69., Wohlfarth), 4:0 D. Hoeneß (86., Wohlfarth), 5:0 Wohlfarth (89., D. Hoeneß)


Video Die Aufzeichnung des Spiels befindet sich in meiner Videosammlung.

Allerdings wurde das Spiel erst ab der 10. Minute übertragen.

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