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Rote Jäger im weißen Bayerndress.

Treffer 5260

Nanu?! Was ist das denn? Bayern gegen Bayern?

Auf der Suche nach Bildmaterial zu Freundschaftsspielen des FC Bayern stieß ich auf dieses Bild.

Klar zu erkennen, dass es sich um ein Freundschaftsspiel handeln sollte, jedoch keins der Ersten gegen die Zweite Mannschaft. Ganz eindeutig zu erkennen sind Ohlhauser und Schwarzenbeck im roten Bayerndress. Deren Gegenüber trugen zum weißen Bayerndress hochweiße Hosen und geringelte Stutzen, welche so beim FC Bayern nicht zum Einsatz kamen.

Das Bild stammt vom 31. Juli 1967. Exakt zwei Monate nach dem Sieg um den Europapokal der Pokalsieger später waren sie in der Vorbereitung auf die neue Saison in Bretzenheim zu Gast und traten mit acht Spielern aus der Finalelf von Nürnberg am Schlossgarten an. Gastgeber waren die Roten Jäger Zweibrücken*, die sich aus Spielern von ambitionierten Vereinen wie Wormatia Worms, FC Homburg, 1. FC Kaiserslautern oder FK Pirmasens zusammensetzten. Lediglich mit 4:3 (2:1) siegten die Münchner, für die es das dritte

Testspiel an drei Tagen war, während sich die Bundeswehr-Jungs 14 Tage explizit auf den Auftritt in Bretzenheim vorbereitet hatten.

Die Roten Jäger spielten übrigens in weißen Bayern-Trikots.

Passend zum Namen waren ihre Trikots natürlich rot. Doch der eigenwillige Cajkovski weigerte sich, seine Bayern in weiß auflaufen zu lassen. Er bestand auf das rote Dress, schimpfte schon vor Spielbeginn:

„Immer Ärger mit den Soldaten.“ Auf die Schnelle begann in Bretzenheim die Suche nach

Ausweichtrikots, ehe Cajkovski anbot, dass die Roten Jäger in weißen Bayern-Shirts spielen durften.

Die Vorbereitung auf das Freundschaftsspiel verlief sehr speziell. An dem extrem heißen Tag im Sommer 1967 suchten die Bayern gleich doppelte Abkühlung. Zunächst besichtigten sie eine Bad Kreuznacher Getränkefirma und genossen kalte Getränke. Doch das reichte im Kampf gegen die Hitze nicht. Und so enterten die Bayern kurzerhand das Freibad im Salinental. Angeführt von Trainer Cajkovski stürzten sich die Fußballstars ins Freischwimmerbecken. Beckenbauer und Müller trugen fesche Badehosen, doch sie waren beim Sprung ins kühle Nass längst nicht so zielstrebig wie ihr forscher Coach. Die Freude über die Abkühlung währte nicht lange, der Freibad-Besuch der Bayern

sprach sich in Bad Kreuznach rum wie ein Lauffeuer. Von überall her kamen kleine und große Autogrammjäger, sogar auf die Schwimmbad-Dauerkarten ließen sich die Bad Kreuznacher des Kaisers Unterschrift setzen.

Die Schar der Neugierigen wuchs, als Cajkovski auf der Ballwiese ein Trainingsspielchen initiierte. Mangels Toren mussten Papierkörbe als Pfosten herhalten. Vor allem die Spieler der zweiten Garde sollten sich beweisen, die Stars durften sich dagegen ausruhen, und so übernahm Müller, ausgestreckt auf einem Badetuch liegend, die Rolle des Schiedsrichters.

*Die Mannschaft der Rote Jäger aus Zweibrücken wurde am 21. Mai 1965 von der Luftlandebrigade 26 der Bundeswehr mit Unterstützung ehemaliger Spieler der ursprünglichen Mannschaft gegründet. Sie debütierte in einem Freundschaftsspiel gegen den damaligen Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern (0:2).Der Verein spielte als Demonstrationsmannschaft und im Wettbewerb der Streitkräfte und zog seine Spieler aus Rekruten, die Militärdienst leisteten. Zu den erkennbaren Namen, die das Trikot des Vereins während ihrer Dienstzeit angezogen haben, bevor sie berufliche Karrieren und Auftritte in der Nationalmannschaft angetreten haben, gehören Felix Magath, Wolfgang Seel und Andreas Brehme. Der Verein wurde im Oktober 1991 aufgelöst.

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